Mieder

 b_350_0_16777215_00_images_bilder_Tracht_Mieder.JPGBeim Mieder wird das Mieder mit dem seidenen Zeug und das Mieder mit dem leinenen Zeug unterschieden.

Das Mieder mit dem seidenen Zeug ist ein festliches Gwand, das hauptsächlich auf Hochzeiten getragen wird. Das Miedergwand besteht aus dem Kittl und dem Janker, die aus ein- oder mehrfarbigenm Seiden- oder Wollstoff genäht sind. Unter dem Janker befindet sich das Schmiesl. Dies ist ein seitlich gebundenes Vorhemd, das am Hals rechteckig ausgeschnitten und mit Spitzen eingefasst ist. Über den Janker wird das in verschiedenen Mustern fein abgesteppte und mit Fischbein versteifte schwarze Miederleibl angezogen, das vorne mit kleinen Ketten und Haken zusammengehängt, am oberen Ende mit silbernen Eichelnadeln zusammengesteckt und mit dem silbernen Gschnür über die am Miederleibl befestigten silbernen Miederhaken verschnürt ist. Das seidene quadratische Miedertüchl ist weiß oder in zarten Farben (rosa, gelb, grün oder blau). Es ist auf Dreiecksform zusammengelegt und auf ein auf der langen Seite mit Spitzen eingefasstes dreieckiges Untertüchl aus Leinen oder einem anderen weißen Stoff mit Eichelnadeln gesteckt und an der langen Seite gefaltet. Das Miedertuch wird um die Schultern gelegt und vorn am Schmiesl mit Eichelnadeln gehalten. Das seidene Fürta (Schürze) ist in der gleichen Farbe wie das Miedertüchl. Das Miederleibl ist vorn mit Blumen ausgefüllt und meistens noch mit Asperagus garniert. Zum Mieder werden lange weiße Strümpfe und schwarze, geschnürte Miesbacher Halbschuhe getragen. Als Kopfbedeckung dient der Schnurhut. Der Hut besteht aus steifen Filz und um den Hutgupf ist die silberne oder goldene Hutschnur in mehreren Lagen gewickelt und festgenäht. Zudem sind hinten am Hut Quasten angebracht, die über den Hutrand hinabhängen. Zu Hochzeiten und an Fronleichnam wird der Hut durch ein Kranzl ersetzt.

Beim Mieder mit dem leinenen Zeug ist das Miedergwand, Miederleibl, Unterwasch, Halskette, Strümpfe und Schuhe wie beim Mieder mit dem seidenen Zeug. Der Unterschied besteht im Miedertüchl, Fürta und in der Kopfbedeckung. Das Miedertüchl ist dreieckig und aus Leinen gearbeitet, sowie mit Hohlsaum und Spitzen kunstvoll verziert. Das Fürta ist meist wie das Miedertüchl gearbeitet. Zu diesem Mieder gehört das grünsamtene, niedrige Miesbacher Hütl, meist mit einem kleinen Gamsbart.

(Gau-Chronik des Oberlandler Gauverbands)